ANTIKZIERAT – BRESLAUER STADTSCHLOSS (KPM Berlin, 1837–1844)

Dokumentation eines 12-teiligen Ensembles aus Privatbesitz: zwölf handgemalte Speiseteller der KPM Berlin mit dem Dekor „Breslauer Stadtschloss“ auf der Form „Antikzierat“ aus der frühen Stempel-Ära (1837–1844). Exzellenter Erhaltungszustand.

Dieses geschlossene Ensemble von zwölf handgemalten KPM-Berlin Speisetellern auf der von Elias Meyer 1767 entworfenen Form „Antikzierat“ mit dem historischen Dekor „Breslauer Stadtschloss“ stellt eine kunsthistorische Besonderheit dar. Während spätere Ausführungen des 20. Jahrhunderts regelmäßig im Kunsthandel zu finden sind, ist ein vergleichbarer geschlossener Satz aus der frühen Entstehungszeit von 1837 bis 1844 nach unserer Kenntnis derzeit nicht dokumentiert. Dieser konsequente Markenzeitraum legt aus unserer Sicht einen musealen Charakter des Ensembles nahe.

Die Einzigartigkeit manifestiert sich in der doppelten Authentizität: Neben der zeitlich präzisen Markierung belegt das durchgehende, handschriftliche Malersignet „P.“ die künstlerische Vollendung aus der Hand eines einzelnen Meistermalers.

Das purpurrote Signet „P.“ wurde als Aufglasurmarkierung aufgetragen. Ein Malersignet diente laut dem Archiv der Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin primär als betriebsinterner Arbeitsnachweis sowie der Qualitätskontrolle nach dem Brand. Verzeichnisse / Listen zur namentlichen Zuordnung der Malersignets wurden jedoch im 19. Jahrhundert nicht konsequent geführt oder dauerhaft aufbewahrt.

Aus dieser Ära des 19. Jahrhunderts sind deshalb nur sehr wenige Malersignets namentlich bekannt. Eine Zuordnung des Malersignets „P.“ zu einem spezifischen Künstler ist nach heutigem Forschungsstand bislang nicht möglich.

Das Dekor „Breslauer Stadtschloss“ war in jener Zeit vornehmlich den königlichen Beständen vorbehalten. Das vorliegende Ensemble stellt insofern eine seltene Ausnahme in Form einer frühen privaten Auftragsarbeit dar. Im aktuellen internationalen Kunsthandel ist kein weiteres geschlossenes 12er-Ensemble des Dekors „Breslauer Stadtschloss“ aus dieser spezifischen Marken-Ära mit durchgehender Maler-Handschrift einer privaten Bestellung dokumentiert.

Zwölf Gemälde – Eine Einheit

Jeder der zwölf Teller dieses Ensembles ist ein handgemaltes Unikat. Die feine polychrome Blumenmalerei im Spiegel folgt der Tradition der großen Berliner Blumenmaler:

  • Individuelle Komposition: Kein Bouquet gleicht dem anderen; jede Blüte wurde frei Hand und mit botanischer Präzision auf das Weiße Gold gebracht.

  • Botanische Vielfalt: Von der prachtvollen Pfingstrose bis zur exotischen Passionsblume zeigt das Ensemble die gesamte Bandbreite der KPM-Blumenkunst des Biedermeier.

Zwölf Meisterwerke – Eine Handschrift. Die Vollendung der Berliner Blumenmalerei um 1840.

„Breslauer Stadtschloss” – Rocaille Dekor 64

Das historische Dekor „Breslauer Stadtschloss“ wird von der KPM Berlin bis heute als Dekor 64 auf der Form Rocaille geführt.

Diese feste Nummerierung entstand im Zuge der Systematisierung der Musterbücher unter der Regentschaft Friedrich Wilhelms IV. (ab 1840). Historisch getreu wurde die Form zu jener Zeit noch als „Antikzierat“ bezeichnet; die Umbenennung in „Rocaille“ erfolgte erst im Jahr 1857.

Belebte Natur – Die Kunst der Staffage

Ein besonderes Merkmal dieser Meistermalerei ist die lebendige Staffage. Jeder der zwölf Teller ist mit filigran ausgearbeiteten Schmetterlingen und Fluginsekten belebt.

Diese kleinen Kunstwerke innerhalb des Bildes sind weit mehr als bloße Dekoration: Sie belegen die außergewöhnliche künstlerische Fertigkeit der KPM-Maler um 1840, die Natur bis ins kleinste Detail naturgetreu und dynamisch auf das Porzellan zu bannen. Dass jedes der zwölf Unikate durch individuelle Falter aus der Hand ein und desselben Meistermalers ergänzt wurde, unterstreicht den außergewöhnlich hohen künstlerischen Anspruch dieses geschlossenen Sets.

Der hoheitliche Rahmen – Form & Dekor

Während jeder Spiegel ein florales Unikat präsentiert, stiftet der harmonische Rhythmus des einheitlichen Randdekors die Verbindung zu einem prachtvollen Ensemble. Die historische Form Antikzierat dient als Bühne für das berühmte königsblaue Schuppenmosaik.

  • Vier Randkartuschen: Jede der vier intensiv blauen, geschuppten Flächen wurde in aufwendiger Handarbeit getupft und von einer opulenten Goldstaffage aus Rocaillen und Blattgirlanden gerahmt.

  • Zwischen-Buketts: In den Feldern zwischen den geschuppten Kartuschen finden sich filigrane Neben-Buketts und Einzelblüten, die den künstlerischen Anspruch bis in die Randbereiche fortführen.

  • Goldene Ornamentik: Rocaillen und Blattgirlanden aus 24-karätigem Gold verbinden die blauen Elemente und die floralen Akzente zu einer festlichen Einheit.

Diese meisterliche Rahmung unterstreicht den musealen Charakter des geschlossenen Sets.

Spezifikationen & Dimensionen

Die Fertigung in reiner Handarbeit des 19. Jahrhunderts bedingt den individuellen Charakter jedes Einzelstücks. Die subtilen Varianzen in den Maßen sind ein authentisches Zeugnis der manuellen Formgebung und des historischen Brennprozesses.

  • Manufaktur: Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM)

  • Modell: Antikzierat

  • Dekor: Breslauer Stadtschloss (Meistermalerei)

  • Durchmesser: ca. 24,7 cm – 25,5 cm

  • Höhe: ca. 3,9 cm – 4,5 cm

  • Material: Hartporzellan, handstaffiert

  • Markierung: Unterglasurblaue Zeptermarke mit Zusatz KPM (Zeitraum 1837–1844)

  • Zusatzmarken: Roter Reichsapfel (Aufglasur), diverse Pressnummern, (u. a. die Ziffer „III“ als Größenangabe für die Speiseteller-Rohform)

  • Signatur: Alle Exemplare tragen das handschriftliche Malersignet „P.“. Dieser durchgehende Kennbuchstabe belegt die künstlerische Homogenität des Ensembles aus der Hand eines einzelnen Meistermalers.

Zustand & Werterhalt

Das Ensemble präsentiert sich in einem beeindruckenden Erhaltungszustand, der die Brillanz der Malerei und den Glanz der Goldstaffage über fast zwei Jahrhunderte bewahrt hat.

Zwei der Teller wurden Anfang der 2000er Jahre einer punktuellen Randpflege in den Meisterwerkstätten der KPM Berlin unterzogen, um minimale Bestoßungen fachgerecht zu schließen. Diese Korrekturen wurden auf so hohem Niveau ausgeführt, dass das gesamte Ensemble heute ein visuell vollkommen makelloses und einheitliches Bild bietet.